Panzerschlacht auf Küchentellern: Grenadiermarsch, eine Spezialität aus Östereich-Ungarn

DSC04974Wer liest eigentlich Veganoraptor? Ich bin kein Internet-Fuchs, daher kenne ich die Antwort nicht. Fakt aber ist: Wer mit dem Raptoren kocht, der kocht gefährlich. Denn der Stoff, den wir servieren, ist kein leichter. Sei’s drum könnte man da erwidern. Lieber den Magen verrenkt als dem Wirt was geschenkt, heißt es im Volksmund. Doch was, wenn es nicht bei flottem Otto bleibt?

Schließlich wird auf Veganoraptor häufiger gestorben als in jedem durchschnittlichen Tatort z.B. hier hier und hier. Wer liest also Veganoraptor? Draufgänger? Lebensmüde? Vielleicht. Depressiv sind sie jedenfalls nicht.

Denn nur weil Gevatter Tod mit am Herd steht, heißt das nicht, dass es nicht schmeckt. Ganz im Gegenteil: War es nicht Eva die Erste, die ihr Leben gegen einen leckeren Apfel eintauschte? Bereits die Bibel zeigt, dass Genuss oft tödlich endet. Das heilige Buch ist voll von Geschichten dieser Art. Auch Jesus ließ sein Leben nach einem fürstlichen Mahl. Und aus den Todestrakt amerikanischer Gefängnisse kennen wir die Henkersmahlzeit; Massenmörder, die kiloweise edlen Hummer in sich hineinstopfen bevor das letzte Stündlein schlägt. Gaumenfreude und Knochenmann gehören ganz offensichtlich untrennbar zusammen.

Der durchschnittliche Veganoraptor-Leser ist also mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ein Hedonist, der in punkto Geschmack aufs Ganze geht. Gut so! Elvis Presley, Jimi Hendrix, Kurt Cobain, Roberto Blanco. Die Großen der Geschichte fuhren ebenfalls nicht mit angezogener Handbremse durchs Leben. Roberto Blanco gibt sogar noch heute Gas.

Kein Mensch, kein Tier – er ist Panzergrenadier

Steigen wir die Leiter jedoch nun von ganz oben hinunter in die niedrigsten Gefilde unserer Gesellschaft. Böse Zungen behaupten der Panzergrenadier kommt in der Hackordnung gleich hinter der Kellerassel. Und selbst unter den schießwütigen Kameraden genießt der Panzergrenadier den miesesten Ruf. Soldaten mit Grips fliegen Kampfjet, springen Fallschirm oder arbeiten gleich von zuhause und steuern Drohen. Der graue Rest wird Panzergrenadier; marschiert stundenlang durchs matschige Unterholz, frisst Staub und Dreck und verflucht die Welt, nur um am Ende dem Tod ins Kanonenrohr zu blicken. Panzer gegen Grenadier. Pulverbüchse gegen 70 Zentner Koloss. Ein wahres Himmelfahrtskommando. Fast immer gewinnt der Panzer.

Insgesamt wenig zu lachen also für den Fußsoldaten. Und dennoch: auch der Panzergrenadier ist ein Genussmensch vor dem Herrn. Zumindest in Sachen Kochkunst. Da lässt es der Panzergrenadier derart fürstlich angehen, wie es sonst nur der liebe Herrgott in Frankreich tut. Selbstverständlich ohne edle Träubchen aus den Bogesen, beim Panzergrenadier geht es deutlich bodenständiger zu. Kost aus der Feldbüchse, den Inhalt bestimmt die breitschultrige Mensa-Rosvita. Meist gibt’s Linsenpampe,so braun wie der Rost der Feldbüchse. Rosvita schimpft es Eintopf. An besseren Tagen auch mal mit Pökel-Einlage. Immer aber stark gesalzen. Wo ist da die Kulinarik geblieben, wo der Hochgenuss – mag jetzt der ein oder andere fragen. Die Antwort kennt nur der Panzergrenadier selbst. Sie zu fühlen fällt schwer, sie zu verstehen dagegen nicht. Denn wer die ganze Nacht im matschigen Schützengraben kauert, die Panzer im Nacken, den Tod vor Augen während sich die Kälte durch die Glieder frisst, dem wird Rosvitas heiße Linsenpampe Flügel verleihen. Schließlich könnte es die letzte sein.

Unsere Geschichte geht gut aus (diesmal zumindest), der Held überlebt und wird mit Ende dreißig aus der Bundeswehr mitten ins Leben entlassen. Ohne Plan dafür mit einem Magen, der lauter donnert als das Feld-MG. Essen muss ran. Doch was tun? Zuhause hat Mutti Pizza aufgewärmt und Rosvita von der Bundeswehr kennen wir bereits. Der Held, nennen wir ihn fortan Sven, hat dagegen noch nie einen Kochlöffel in der Hand gehalten. Höchste Zeit, dies zu ändern.

Renaissance am Küchentisch

Sven befragt das Internet. Eine Seite wirbt mit den besten Bundeswehr Gerichten aller Zeiten. Auf Platz eins, der Grenadiermarsch, eine Spezialität der österreichisch ungarischen Küche. Das Gericht hält, was der Name verspricht: Schnell, billig und idiotensicher. Sven fängt direkt Feuer. Kartoffeln sind drin, die kennt Sven von der Bundeswehr. Wie man die schält, hat er dort auch gelernt. Nudeln sind drin, die kennt Sven von Mutti. Damals mit Ketchup ein Festtagsessen. Und Fleisch ist auch drin, Svens oberste Prämisse. Das war es so ziemlich. Der Rest ist das übliche Begleitwerk.

Karge Kulinarik, die satt und glücklich macht.

Sven dreht die Kochplatte auf volle Ampulle und schreitet zur Küchenschlacht. Tuen wir es ihm gleich.

In einem Topf setzen wir nen Pfund Kartoffeln an. In einem weiteren die Nudeln. Wer auf den nächsten Schießbefehl wartet, sollte dies bereits am Vorabend tun, dann geht alles bedeutent schneller. Beides wird in reichlich Salzlake gar gekocht. In der bleiernden Gusspfanne zerlassen wir nen Pfund Alsan Margarine und braten eine große Zwiebel glasig. Auf halber Strecke geben wir Räuchertofu hinzu. Sind die Zwiebel glasig und der Räuchertofu kross, schmeißen wir die Kartoffeln hinein und rösten diese leicht an. Abgeschmeckt wird mit Salz, zentnerweise Paprikapulver und Majoran für die Leberwurst-Essenz. Ist alles pechschwarz kommen die tropfnassen Nudeln hinzu. Anrichten mit reichlich Pfeffer aus der Schrotflinte sowie Essiggurken aus Omis Bunker. Messer wetzen und zum Gefecht schreiten. Befehl – Gehorsam. Das kapiert selbst Sven.

TLDR: Ein alltagstaugliches Rezept, dessen Geschmack über alle Zweifel erhaben ist. Wer hier nicht zugreift ist selber schuld.

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2 Gedanken zu “Panzerschlacht auf Küchentellern: Grenadiermarsch, eine Spezialität aus Östereich-Ungarn

  1. Genial, Euer Blog ist so klasse, ich fass es einfach nicht! Wo sind denn bloß die Bogesen?? ;-))) So toll, Eure Rezepte, super praxistauglich und kein Firlefanz. Also ich les jedenfalls Veganoraptor!! Vielen Dank Euch!!

    • Ines, schönen Dank für die Blumen – pünktlich zum Fest der Liebe! Du hast die Philosophie des Raptoren verstanden! Für Dich ist ab jetzt immer ein Platz frei an unserem Esstisch.

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