Umsatzsteuer Ungeheuer – oder T-Konten im Schienenverkehr

Jeder Pendler erlebt Bahn-Begebenheiten, dies soll mein Beitrag sein. Keine Fiktion, keine Satire, keine Räuberpistole. Nichts als die reine Wahrheit.

4526046180_839724bf93_zDB Rappelkiste Regiobahn auf dem Weg nach Köln.

Schräg gegenüber thront Finanzhai Olaf E. Der Max Mustermann über Soll&Haben. Müsste ich einen Bilderbuch Betriebswirt beschreiben, er wäre von Olafs Kaliber. Groß, schlank, kräftig, kerzengrade – Attribute einer Nordmannstanne. Augen so blau und frostig wie der Nordpol. Messerscharfer Blick, die Miene eines Terriers. Die Haare sind dem Zorn gewichen, das harrsche Gemüt gepanzert unter einem adretten Pinguin. Wenn äthiopische Reisbauern Opfer von Nahrungsmittelspekulanten werden, dann durch Olaf-Aasgeier.

Olaf ist ungehalten: Sein Klient will krumme Dinger in Schweden drehen, aber partout keine Steuern zahlen. Sein gutes Recht und Olaf kämpft dafür. Nur der Zahlenartist am anderen Ende der Leitung will das nicht verstehen. Denn erst komme die Prüfung, und dann erst der Steuerfreifahrtsschein, so die Devise des Lakaien aus dem Finanzamt. Solange aber müsse Bares fließen.

Also kämpft Olaf weiter verbissen für das Recht seines Mandanten. Jongliert mit sechsstelligen Zahlen über dem Finanzabgrund, verlangt Vorgesetzte und bittet um dringende Rückrufe. Und das Ganze so laut und intensiv, dass binnen kürzester Zeit die gesamte Bimmelbahn die Tücken des deutschen Steuerrechts kennt. In der Zeit zwischen den Anrufen markiert Olaf mit dicken Filzstifen dingliche Ansprüche in Finanzfachblättern. „Steuerklage leicht gemacht“ [sic] oder „Kontenführung auf den Cayman-Inseln, so lernen Sie von den Profis“ [sic]. Und während ich, halb amüsiert, halb genervt meinen Gedanken nachhänge und mich frage wieso der Typ sein Finanzgebaren nicht in der ersten Klasse regelt, quatscht mich der ölige Olaf von der Seite an:

„Können Sie einen Blick auf meine Tasche werfen?“ Der Tonfall gleicht weniger der einer Bitte als vielmehr dem rauen Befehlston bei der Bundeswehr; dort wo Olaf sein Bauklötzchen Diploma erworben hat. „Sicher!“, antworte ich präzise. „Zu Befehl, Sir!“ Olaf erhebt sich schlagartig und verschwindet im Mittelgang, in der Hoffnung auf besseren Empfang. Der Mandant verliert langsam die Geduld und verlangt nach Lösungen im Steuerstreit. Ich aber kann es nicht fassen. Da bittet Oil of Olaz den schluffigsten Typen im Oberdeck von Wagon drei, auf seine Tasche aufzupassen! Eine Farce sondergleichen!

Die Geschichte ließe sich noch fortsetzen, doch will ich an dieser Stelle mit der Moral enden:

Finanzhaie sind auch nur kleine Fische, die verzweifelt um Hilfe paddeln sobald der Klient auf Grund läuft. Ich hingegen wandle seit diesem Tag über Wasser, ohne mir einen Nassen zu holen. Olaf sei Dank!

 

Bildquelle: Fibonacci Blue (CC BY-NC-ND 2.0)

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2 Gedanken zu “Umsatzsteuer Ungeheuer – oder T-Konten im Schienenverkehr

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